Mir war etwas langweilig und so hab ich mal ein bisschen was zu den Grundlagen der Beleuchtung aufgeschrieben - vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen...

Den meisten hier dürfte das Faktum bekannt sein, das „Photographie“ aus dem altgriechischen extrapolierbar ist und eigentlich frei übersetzt „Malen/schreiben [mit] Licht“ heißt.

Nun kommt - zumindest mir persönlich - immer wieder der Lichtaspekt zu kurz...
Es wird viel über Kameras und deren Technik, über Blende und Objektive geredet - aber eben doch nur recht selten über das Licht...

Nunja - ich leg einfach mal los und ihr schaut dann, was für euch interessant ist:


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Die Beleuchtung muss sich zwei Dingen unterordnen, dem Motiv und der Bildidee.
Jedes Motiv verlangt eine materialgerechte Ausleuchtung, das gilt für Sachaufnahmen genauso wie für Portraits und Aktaufnahmen. Beleuchtungstechnisch ist Haut genau so eine Oberfläche wie Holz oder Metall, wenn auch mit anderen Reflexionseigenschaften (die man übrigens mit Schminke und Puder sehr gut beeinflussen kann!).

Der Einfluss der Bildidee macht dann aus einer schlichten Reproduktion ein richtiges Foto.



Weiches Licht erzielt man durch eine große Lichtquelle oder durch Streuung bzw. Reflexion.
Streuen kann man mit durchleuchtetem Papier, Stoff oder anderen Diffusoren.
Reflektieren kann man von Wänden, Decken, dedizierten Reflexschirmen oder Styroporplatten. Reflexion ist meist weicher als Streuung, und Streuung bringt zusätzlich oft weitere Randprobleme wegen unerwünschtem Seitenlicht. Softboxen sind gute Kompromisse, die Seitenlicht ausschalten, dennoch recht gut streuen.

Hartes Licht erzielt man durch besonders kleine Lichtquellen und stark gerichtetes, zu den Seiten abgeschirmtes Licht. Je weniger Licht von Wänden, Decken oder dem Aufnahmeaufbau reflektiert wird, umso weniger Streulicht kann die Schatten weicher machen.
Licht wird gern mittels Wabenrastern genauer auf den Punkt gebündelt.


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Licht kann man grob nach zwei Kriterien unterscheiden:

Lichtquantität und Lichtqualität
(Oder einfacher: "Wieviel und welche Sorte?"


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Hauptlicht

Was ist "Hauptlicht"?
Das Hauptlicht ist das Licht, das ein Motiv moduliert, Spitzlichter und Schatten schafft.
Die Sonne ist ein prima Beispiel für ein Hauptlicht.
Das Hauptlicht in einem Foto kann aber auch der Reflektor einer Blitzanlage oder ein Kleinblitz sein.
Die wahrscheinlich wichtigste Entscheidung beim Aufbau für ein Foto ist die Platzierung des Hauptlichts!
  • Will man die Sonne über die eigene Schulter oder über die Schulter des Modells scheinen lassen?
  • Setze ich mein Modell neben das Fenster oder davor?
  • Kommt der Blitz auf die Kamera oder sollte man ein Blitzkabel für entfesseltes Blitzen kaufen gehen?


Die Antwort ist: Alles geht!
Jeder Fall ist anders, es gibt kein absolutes richtig oder falsch.

Wenn das Ergebnis gefällt, war es die richtige Entscheidung, wenn nicht, nennt man es Kunst.

Das Geheimnis ist das Licht zu sehen!!!einselffffff

  • Festzustellen, was beleuchtet wird und was nicht.

  • Wenn es nicht aussieht wie Du es Dir vorstellst, dann platziere die Lampen anders!

  • Oder das Motiv in Relation zu den Lampen!

  • Willst Du eine Seite des Gesichts schwarz?

  • Willst Du Rembrandtsche Beleuchtung (z. B. eine Gesichtshälfte beleuchtet und nur einen kleinen Lichtbereich auf der anderen Seite des Gesichts als Gegenmodulation - wie ansatzweise unten zu sehen)

  •  

    oder auch

     



  • Willst Du die Augen in tiefem Schatten?


Wenn nicht, stelle die Lampen um!

Schau drauf wie sich die Schatten verändern und richte Deine Position danach.

Vergiss die Knöpfe auf der Kamera für eine Minute.

Schau drauf, was beleuchtet wird und was nicht.
Das ist superwichtig.
Die Position des Hauptlichts generiert Weichheit (nahe an der Kamera) oder Struktur (als Streiflicht).

Licht ist *das* Werkzeug des Fotografen. Male mit Struktur und Schatten da wo Du es für angebracht empfindest!


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Wieviele Lampen?

Okay, Preisfrage:
Wie viele Hauptlichter hat Gott gebaut?

Eins, die Sonne, stimmt.

Oder auch nicht. Er hat auch den Himmel gemacht, und den Boden, von dem das Licht zurückgeworfen wird.
Wir nennen das reflektiertes Licht, Füller, Aufheller.

Wenn es kein reflektiertes Licht gäbe, wäre alles was nicht direkt beleuchtet wird (zum Beispiel die dunkle Gesichtshälfte) kohlrabenschwarz.

Kennt man vom Mond.

Wenn man nicht selbst da war dann eben von den NASA-Bildern.


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Aufheller / Füll-Licht

Nunja - es ist halt das Licht, das die "Schattenseite" sichtbar macht und mit Leben füllt.

In der Fotografie ist jedes Licht das keine eigenen Schatten (oder fast keine) erzeugt, Aufhell-Licht.

Das einfachste Mittel um das zu erreichen ist das Aufhell-Licht so nah wie möglich an die optische Achse heranzubringen.
Alle Lampen/Blitze werfen Schatten, unabhängig davon wo sie sind oder wie groß sie sind.

Aber wenn man das Aufhell-Licht sehr nah an die optische Achse heranbringt (und ein bisschen drüber), sind nahezu alle davon erzeugten Schatten *hinter* dem Motiv versteckt und daher für die Kamera nicht sichtbar.
Positioniert man das Aufhell-Licht seitlich, erhält man oft Kreuzschatten.

Eine weitere Methode zum Lichtfüllen ist ein Aufheller.
Manche Fotografen verwenden große weiße Pappen, Styroporplatten oder flexible Reflektoren.
Prinzipiell stellt man den Reflektor dabei so auf, dass er vom Hauptlicht etwas in die Schattenseite des Motivs reflektiert.

Kann man sich gut vorstellen mit einem Spiegel als Test.

Reflektoren sind matter und geben weicheres Licht als das ein Spiegel kann, aber man sieht den Effekt mit einem Spiegel sehr deutlich.

Die nächste Preisfrage: Wieviel Licht will man einstreuen oder als Füllung zulegen?

Wie nah am Motiv will ich meinen Reflektor?

Antwort - wieder wie oben: Alles geht, das Ergebnis zählt!


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Beleuchtungskontrast:

Wie viel Aufheller soll man verwenden?

Also wie soll das Verhältnis von Hauptlicht zu Aufhell-Licht sein?
Soll man mit genau so viel Licht füllen wie das Hauptlicht ist, also 1:1?

Oder soll das Hauptlicht doppelt so stark wie der Füller sein (2:1)?

Das ist auch wieder sehr subjektiv, es gibt keine allgemeingültige Antwort.

Einige Fotografen bezeichnen gleichmäßige Lichtverteilung als "weich", weil die Schatten recht hell und sanft kommen, hohe Kontraste werden als "hart" bezeichnet.

Über den Daumen gepeilt kann man aber sagen, dass mit höheren Beleuchtungskontrasten (wenig oder gar kein Füller) die Bilder "dramatischer" werden.
Wer dramatische Aufnahmen will, sollte wenig oder gar keinen Aufheller verwenden.

Jeder kennt Aufnahmen mit niedrigen Beleuchtungskontrasten (Titelblätter von Modemagazinen), aber jeder kennt auch die dramatischen Portraits mit halb im Schatten versunkenen Gesichtern...

Ein Vorschlag:
Wenn man sich nicht sicher ist, welche Beleuchtung man mag, dann sollte man zunächst mal ein paar Magazine (oder auch im Internet) durchblättern und ein paar Bilder raussuchen, die man wirklich gut findet.

Man sollte versuchen herauszufinden, wie die Bilder gemacht sind.

  • Sind sie mit hohem oder niedrigem Beleuchtungskontrast beleuchtet?
  • Waren die Lampen nahe an der Kamera oder stark seitlich?
  • Sind die Augenhöhlen beleuchtet?
  • Sind beide Gesichtshälften beleuchtet oder nur eine?
  • Schau Dir Bilder an die Dir gefallen und versuche herauszufinden, wie sie gemacht sind.


Verwende die Erkenntnisse aus diesen Bildern beim nächsten Fototermin.
Variiere die Einstellungen ein wenig und mache Notizen über Dein Vorgehen.

Verstehe, was das Licht aus Deren/Deinen Bildern macht, und setze es entsprechend ein!


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Andere Lampen

Ja, es gibt andere Lampen.
Es gibt Haarlichter, Hintergrundlichter, Kontur-/Spitzlichter und Gott-weiß-was-noch.

Mach Dir darüber anfangs keinen dicken Kopf, das kommt später.
Man kann spitzenmäßige Personenaufnahmen mit nur Hauptlicht und Füller machen. Oder eben sogar nur mit Hauptlicht!


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Lichtqualität.

Reflektorgrösse:

Und schon wieder ein Quiz - welches Licht ist besser für Personen?

Ein reflektiertes Licht über einen Schirm
oder
Ein nackter Kompaktblitz?

Sag nix, is eh falsch.

Denn auch das hängt mal wieder davon ab, wie das Bild aussehen soll!

Der Hauptunterschied zwischen Blitz im Blitzschuh und einem Blitz, der aus einem Schirm reflektiert ist die relative Größe!

Je größer die Leuchtfläche, desto weicher der Schatten! (siehe auch dazu die Grafiken unten)

Wenn Du Struktur willst, verwende eine kleine Lampe.

Wenn Du weiche Übergänge und weiche Schatten willst, nimm eine große Lampe!


Mach einen Versuch:
Nimm den Reflektor weg von einer Schreibtischlampe, so dass nur die nackte Glühbirne übrig bleibt.
Stell dich zwischen Lampe und Wand und versuch mit den Händen Schattenspiele über die Wand fliegen zu lassen.
Jetzt das ganze noch mal mit Reflektor (größerer Lichtquelle) an der Schreibtischlampe:

Du bekommst unschärfere Schatten.

Mit den Schatten unter der Nase Deines nächsten Opfers ist das genau so.

In den meisten Fällen werden die Leute es nicht mögen, die Schatten unter ihren Nasen scharf begrenzt wahrnehmen zu können.
Das ist der Grund, warum die meisten Fotografen Schirme oder Softboxen verwenden. Es sind große Leuchtflächen, was weichere Schatten und Schattenkanten bedeutet, aber nicht unbedingt flaches Licht.
Setzt man eine große Softbox seitlich oder sogar leicht hinter das Modell, erzielt man auch bei großen Lichtformern starke Schatten...





Hier ein paar Grafiken die das hoffentlich verdeutlichen:

Kleines Spotlicht, kurzer Abstand:


Kleines Spotlicht, großer Abstand:




Normalreflektor, kurzer Abstand:


Normalreflektor, großer Abstand:




Softbox, kurzer Abstand:


Softbox, großer Abstand:




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Nunja - ich bin mal auf die Resonanz gespannt...
Ist ja eigentlich nur aus Langeweile entstanden


Lg

HCM